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Fachkräfte – Verzweifelt gesucht? Wege zur Fachkräftesicherung in NRW

Unter diesem Motto lud Daniela Schneckenburger, MdL zum „Grünen Wirtschaftsdialog“ in den NRW Landtag zu Düsseldorf ein.

Das Thema an sich hat meine Aufmerksamkeit. Seit längerem verfolge ich die Diskussion über einen so genannten kommenden (oder bereits vorhanden?!?) Fachkräftemangel in der deutschen Wirtschaft. Momentan sind auch sich widersprechende Studien (Interpretationen) auf „dem Markt“.

Aber auch das Podium erweckte meine Aufmerksamkeit. Neben Daniela waren auch Cem Özdemir (Vorsitzender Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Maria Icking (Heinrich Böll Stiftung NRW), Staatssekretär Dr. Wilhelm Schäffer (MAIS), Hans-Jürgen Alt (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau NRW) und andere auf dem Podium.

Wichtige Punkte die ich von dieser Veranstaltung mitnehme (aber bestimmt nicht alle, die gefallen sind!). Unisono wurde festgestellt, dass

  • Deutschland (in Hinblick auf Fachkräfte) eher ein Auswanderungs- als ein Einwanderungsland (geworden) ist.
  • bei Fachkräften nicht immer nur auf fehlende Ingenieur_innen , IT-Expert_innen etc verwiesen werden darf, sondern auch und vor allem (sic) auf Personen im Dienstleistungsbereich (Pflege, Kinderbetreuung- und erziehung etc.)
  • nicht immer nur die „Menge“ (Quantität) sondern auch auf die Qualität in den Fokus genommen werden muss.
  • die Integration von Migranten verbessert werden muss.

Einige Zeit nahm die Debatte über die lebenslange Qualifizierung von Arbeitnehmer_innen ein. Dabei wurde von einigen Personen der Wunsch nach einem Konzept ähnlich der „Open University“ geäußert. Die These von Dr. Maria Icking („Fatale Ausrichtung des deutschen Bildungswesen auf die Erstausbildung“) unterstützt damit auch den Wunsch der Teilnehmer_innen nach einem offenen lebenslangen Bildungs- und Weiterbildungssystem.

Leider waren für die Veranstaltung nur drei Stunden vorgesehen. Viele Fragen und Anmerkungen blieben offen. Hier nur ein kleiner nicht vollständiger Auszug aus meinen Aufzeichnungen:

  1. Leider wurde auf der Veranstaltung immer von Wirtschaftswachstum ausgegangen. Eine kritische Auseinandersetzung zum Thema „Grenzen des Wachstums“ – so meine Wahrnehmung – blieb aus.
  2. Der Übergang zwischen Schule und Ausbildung wurde (sehr eindringlich und nachvollziehbar (sic) durch Frau Müsterländer) angesprochen. Daraus müssen m.E. Konsequenzen gezogen werden. Dabei könnte das Telgter Modellhilfreich sein.
  3. Wie sieht die Verdrängung von Schüler_innen die NICHT das Abitur haben durch Schüler_innen MIT Abitur aus? Also die Frage der Bildungsentwertung.
  4. Hemmnisse des 2.Bildungswegs wurden leider nicht angesprochen (erschwerte Bafög-Bedingungen, GKV-Versicherung ab dem 30igsten Lebensjahr etc.).
  5. Kinder aus ALG II-Familien denen durch das Nichterleben einer (Erwerbs-)Arbeitswelt der Bezug zur (Erwerbs-)Arbeit fehlt. Auch dieses Thema hatte wenig Raum. Studien zufolge antworten Grundschulkinder aus ALG-II-Familien auf die Frage „Was wollt ihr werden?“ nicht mehr „Feuerwehrmann“, „Polizist“ etc. sondern „HARTZer“.
  6. Numerus clausus Regelungen an Hochschulen die Interessierte abhalten, wurde leider nicht angesprochen. (Wer sagt denn, dass eine Person die an der Schule „keinen Eifer“ hatte, in einem Studium das sie/er selbst aussucht auch keinen Eifer entwickelt?)
  7. Warum müssen Personen die sich zur Meister_in ausbilden lassen möchten, diese Ausbildung aus eigener Kassen zahlen?
  8. (…) Die Liste könnte noch weitergeführt werden.

Grundsätzlich war die Veranstaltung (trotz Zeitmangel) für mich eine große Bereicherung. Deswegen ein großer Dank an Daniela (sic) und Ihr Team (sic), der mit dem Wunsch einer „Verlängerung“ zusammenhängt.

Dieser Blogeintrag ist auch auf dem Grünen-Blog-NRW veröffentlicht.

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Erster Tag auf der Bundesdelegiertenkonferenz (in Nicht-Grün: Bundesparteitag).

40 Minuten nach angekündigtem Beginn (18 Uhr) kommen wir – die Delegierten aus Bochum – an der Messe Freiburg im Breisgau an. Und wie immer bei GRÜNS, der Parteitag hat noch nicht angefangen. Der Oberbürgermeister von Freiburg im Breisgau hält seine Begrüßungsrede. Sonst ist dies immer eine Pflichtveranstaltung. Diesmal spricht aber ein GRÜNER Oberbürgermeister Dieter Salomon. Der Saal bebt das erste Mal an diesem Abend, es soll nicht das letzte Mal sein.

Die Bundesdelegiertenkonferenz (BDK) beginnt mit der Formalia. Einsetzung des BDK-Präsidiums, Mandatprüfungskommission, Antragskommission etc. Alle werden bestätig. Nur bei der Tagesordnung und bei der Abhandlung von verspäteten Anträgen, Änderungsanträgen und Eilanträgen gibt es unterschiedliche Meinung. Die Antragskommission möchte einige Anträge aufgrund von Fristverstößen nicht zulassen. Der Parteitag entscheidet nach kurzer Debatte aber anders, und lässt einige Anträge doch gewähren. Die Basis hat eben ihren eigenen Willen.

Danach die politische Rede des Bundesvorstands. Cem Özdemir ist in Hochform und greift die schwarz-gelbe Regierung und die Landesregierung in Baden Württemberg frontal an. Riesen Applaus. Er macht Mut für die Landtagswahl in Baden-Württemberg und für Berlin. So kann die Bundesdelegiertenkonferenz weiter gehen.

Heute wird noch der Energie-Antrag verhandelt. „100% Zukunft statt Atom – Das Grüne Energiekonzept“.  Claudia bringt den Antrag ein. Die unverantwortliche Atompolitik der schwarz-gelben Regierung verhindert den nötigen Ausbau von Erneuerbaren Energien. Und noch viel schlimmer: Es wird länger tödlicher Atommüll produziert. Und eine Lösung gibt es nicht. Vergraben ist keine Lösung!

Auch Jürgen Trittin hat einen Redebeitrag zur Debatte. Er stellt klar, dass die Vorwürfe die GRÜNEN seien eine „Dagegen-Partei“ zu kurz gehalten ist. Klar, sind wir gegen Atomkraft, gegen CO2-Kraftwerke und „Stuttgart 21“, aber weil wir FÜR erneuerbare Energie sind, FÜR gerechte Energiepreise, FÜR eine saubere Umwelt und FÜR ein durchdachtes Verkehrskonzept sind.

Aber nicht nur die „Großen“ sprechen. Sondern die Basis, und mit 2/3 der Redezeit hat die Basis Satzungsgemäß mehr Anteile an der Debatte.

Die Basis stellt klar: „Wir sprechen mit den Bürgerinnen und Bürgern und diskutieren mit ihnen. Wir nehmen Sie ernst, dass machen CDU, CSU und FDP nicht. Wir sind die Partei des sinnvollen Widerstandes.“ „Gorleben ist ein Pulverfass!“ mit diesem Statement wird ein eine Neubewertung des Atommüll“end“langes Gorleben gefordert.

Und Bärbel Höhn stellt klar: Die GRÜNEN sind keine Wohlfühlpartei. Wir haben einen Atomkompromiss durchgesetzt, und viele Mitglieder verloren die der Ausstieg zu langsam ging. Aber schlussendlich stimmte der Kompromiss, den jetzt Merkel und Co. gegen die Bürgerinnen und Bürger aufgekündigten.

Nach ausführlicher Debatte mit vielen Redebeiträgen wird der Antrag des Bundesvorstands abgestimmt. Der Antrag erhält nun nach der Debatte viele neue Passagen. Klar bleibt aber, bei dem Thema Energie besteht ein überwältigender Konsens bei den GRÜNEN. Wir wollen den vom Menschen gemachten Klimawandel aufhalten  und kämpfen für die erneuerbaren Energien. Sie stehen für saubere Energieformen, für sichere Arbeitsplätze und für eine Energieform die durch den Mittelstand erzeugt wird! Mit wenigen NEIN-Stimmen, wenigen Enthaltungen und mit sehr vielen JA-Stimmen wurde der Antrag angenommen.

Der Abend endet zunächst mit einer Erinnerung an Verstorbene. Das ist doch neu für unsere Partei, die Partei wird älter. Das gilt auch für die Mitglieder. Neue Erfahrung!  Mit dem s.g. Flügeltreffen (die Strömungen der Partei) endet der erste Tag.

Ein Kommentar

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