Beitragserhöhung in der Gesetzlichen Krankenkasse. Warum?

In der letzten Woche hat die schwarz-gelbe Bundesregierung angekündigt den Beitragssatz der Gesetzlichen Krankenkassen – kurz GKV – um 0,6 % zu erhöhen. Somit zahlt nun jede/r ArbeitnehmerIn (also Versicherte) 15,5 % seines/ihres Lohns (für mich ist auch der s.g. Arbeitgeberanteil Lohn des Arbeitnehmers!) an seine GKV.

Die Ausgaben der GKV folgen einer einfachen Formel. „Die Ausgaben folgen den Einnahmen.“ Demnach muss, wenn eine Unterdeckung festgestellt ist (woher die auch immer kommt), die Einnahmen steigen oder Angebote der GKV eingeschränkt werden. Also muss der Beitragssatz der GKV angehoben werden, um die momentanen Leistung beizubehalten. Ist diese Logik richtig?

Nein, sie ist es nicht. Betrachten wir uns den Sachverhalt näher.

Das Bruttoinlandsprodukt der BRD stieg von 2000 mit 2.062,5 Milliarden Euro auf 2.492,0 Milliarden Euro in 2008. Das ist eine Steigerung von ca. 20,82 %. Die Einnahmen aller Gesetzlichen Krankenkassen betrugen in 2000 ca. 133,8 Milliarden Euro und in 2008 ca. 161,7 Milliarden Euro. Auch hier eine Steigerung um ca. 20,85 %. Die gleiche Steigerung ist auch bei den Ausgaben aller GKV zu betrachten.

Es ist doch nur logisch, dass wenn das Volkseinkommen allgemein steigt, ebenfalls die Einnahmen und Ausgaben der GKV steigen. Und zwar um den ähnlichen Prozentsatz. Das Verhältins zwischen Bruttosozialprodukt und Einnahmen (Ausgaben) der GKV blieb über die Jahre gleich. Aber warum haben die Gesetzlichen Krankenkassen nun ein Finanzloch.

Ganz einfach. Betrachten wir uns noch die Entwicklung der Löhne zwischen 2000 und 2008. Wie allgemein bekannt ist werden Krankenkassenbeiträge von ArbeitnehmerInnen gezahlt und das – wie oben dargestellt – prozentual von ihren Arbeitseinkünften.

In 2000 betrug das Arbeitnehmerentgelt aller Beschäftigten in der BRD rund 1.100,1 Milliarden Euro brutto. Dies steig bis 2008 auf 1.225,8 Milliarden Euro brutto. Demnach stieg das Arbeitnehmerentgelt zwischen 2000 und 2008 nur um ca. 12,72 %. Wenn nun aber die Einnahmen der GKV über die Einkünfte der Erwerbstätigen erzielt werden und die Einnahmen um 20,85 % gestiegen sind und die Einkünfte der Erwerbstätigen nur um 12,72 % gestiegen sind, muss der Beitragssatz erhöht werden.

Fazit:
Die Berechnungsgrundlage (die Löhne)  hat in den letzen Jahren nicht mit dem Wirtschaftswachstum schritt gehalten. Die Löhne sind nicht so gestiegen wie sie hätten steigen müssen!

Lösung:
1. Grundsätzlich gilt, dass die Gewerkschaften von ihrer Lohnpolitik der Lohnzurückhaltung abweichen müssen und Lohnforderungen in Höhe des Wirtschaftswachstum und evtl. höher stellen müssen. Nur so kann die Berechnungsgröße zunächst gesteigert werden. Ebenfalls würde dadurch die Binnennachfrage angeregt.

2. Die Einführung der Bürgerversicherung muss schleunigst angepackt werden. Hochleistungsmedizin kostet Geld, aber bringt Lebensqualität. Sie muss allen Bevölkerungsschichten offen stehen. Bürgerversicherung heisst, auch Erträge aus Boden und Kapital werden in die Berechnung mit einbezogen. Und sie ist solidarisch. Besserverdienende (und meistens Personen mit „guten Risiken“) können sich nicht zu den Privaten Krankenkassen verabschieden. Die Berechnungsgrundlage wird größer. Dies hat zur Folge, dass die Beitragssätze für alle sinken. Vermögen wird umverteilt!

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Gesundheitspolitik, Grüne

Eine Antwort zu “Beitragserhöhung in der Gesetzlichen Krankenkasse. Warum?

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